Kirchenmusik zieht Kreise - 50 Jahre Stunde der Kirchenmusik

Die "Stunde der Kirchenmusik" in der Stiftskirche Stuttgart besteht seit 1958 und bietet jede Woche freitags um 19 Uhr Konzerte mit geistlicher Musik. In Süddeutschland ist die "Stunde" mit jährlich rund 18.000 Zuhörern ein wichtiges Forum für die Chor- und Orgelmusik. Zum Jubiläumsjahr 2008 und nach etwa 2500 Konzerten hat das Stiftskantorat Stuttgart unter der künstlerischen Leitung von Stiftskantor KMD Kay Johannsen ein großes Stiftsmusikfest veranstaltet.

StiftsmusikFestgottesdienstStiftsmusikfest - das waren über 30 Einzelveranstaltungen, darunter ein „Kinderorgelprojekt“, ein Chortreffen im Innenhof des Alten Schlosses mit der Uraufführung eines Werkes von Mike Svoboda, ein Glockenkonzert, eine Orgelnacht und ein Nachtkonzert mit sechs international renommierten Kammerchören und der Uraufführung eines Werkes von Stiftskantor Kay Johannsen. Laut Geschäftsführerin Sabeth Flaig war das Festival ein großer Erfolg: „Wir hätten viele Konzerte doppelt verkaufen können“, sagte Flaig zufrieden.

 

Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July sagte im Festgottesdienst am Sonntag (6. Juli) in der Stiftskirche: "Die Stunde der Kirchenmusik ist ein Moment der Einkehr, in dem Menschen auf das hören, was wesentlich ist." Sie biete Gelegenheit dazu, sich bewusst zu werden, dass "wir Menschen uns nicht uns selbst verdanken und uns nicht selbst erfüllen müssen", betonte der Bischof.

Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster würdigte auch die Jugendarbeit der Stuttgarter Kirchenmusik. "Die Kirchenmusik ist eine ganz herausragende Möglichkeit, die frohe Botschaft mit ihren Werten und ihrer Sinnstiftung weiterzugeben", sagte Schuster. Und für Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich ist "die Stunde der Kirchenmusik eine lebendige Institution, an der nicht gewackelt wird, und die doch so viel bewegt hat." Sie habe neue Musikstile geprägt und Menschen für die geistliche Musik gewonnen. Ehrlich dankte Stiftskantor Kay Johannsen, der das Fest "mit ungeheurer Energie inspirativ und musikalisch gestaltend geprägt" habe.

epd / Christoph Schweizer

Besucherzahlen übertreffen alle Erwartungen - Stiftskirche feiert 50 Jahre «Stunde der Kirchenmusik»

Mit einem Abschlusskonzert in der Stuttgarter Stiftskirche vor knapp 800 Zuhörern ist am Sonntagabend das Stiftsmusikfest zu Ende gegangen. Insgesamt kamen mehr als 9.400 Besucher zu den Jubiläums-Veranstaltungen anlässlich des 50-jährigen Bestehens der «Stunde der Kirchenmusik». Die Schätzungen der Veranstalter seien damit bei weitem übertroffen worden, sagte die Geschäftsführerin der Stiftsmusik, Sabeth Flaig.

Beim Finale am Sonntagabend wollten die Veranstalter nach eigenen Angaben mit vitalen und internationalen Stücken ein Zeichen für die Lebendigkeit und Offenheit der «Stunde der Kirchenmusik» setzen. Die Stuttgarter Kantorei und das Ensemble 94 unter Leitung von Kay Johannsen brachten die Chichester-Psalmen (1965) von Leonard Bernstein zur Aufführung, daneben die Psalmensymphonie von Igor Strawinsky (1892-1971) und das Gloria von Francis Poulenc (1899-1963).Im vielseitigen Werk von Bernstein (1918-1990) kontrastierten leise, freundliche Sätze wie «Der Herr ist mein Hirte» (Psalm 23) mit rasanten, dramatischen Abschnitten wie Psalm 2: «Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergeblich Pläne?». Einen extra großen Applaus erhielt der Hymnus-Chorknabe und Altist Johannes Gedicke. Souverän, mit klarer Stimme trug der 14-Jährige den Solopart aus Psalm 23 vor. 

Weiterer musikalischer Höhepunkt der stilistisch vielfältigen Psalmen war der ruhige, harmonische Part in Psalm 131 «Ich ließ meine Seele ruhig werden, und still wie ein kleines Kind bei der Mutter». Abschließend ließen Chor und Orchester die Ewigkeit anklingen im zart gesungenen «Israel, harre auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit» und dem eindringlichen «Amen» als Antwort auf die Friedensbotschaft von Psalm 133. Danach herrschte sekundenlang konzentrierte Stille im Kirchenraum. 

Dorothee Kolnsberg (epd)